Ge-03 Förderung tierversuchsfreier Medizin

Status:
Annahme

Tierversuchsfreie Medizin soll gefördert werden, Alternativen zu Tierversuchen sollen verstärkte finanzielle und ideelle Unterstützung und Förderung erhalten, es soll deutlich mehr Förderpreise für tierversuchsfreie Medizin geben.

Begründung:

Trotz gegenteiliger Behauptungen werden Tierversuche nicht gebraucht, um Medikamente oder Chemikalien zu testen, um Stoffwechselvorgänge zu untersuchen und Rückschlüsse über die Wirkungen, Nebenwirkungen und Mortalitätsraten am Menschen ziehen zu können. Es wird ausgeblendet, dass die Ergebnisse im besten Fall für die jeweilige Tierart gelten. Eine Übertragung auf andere Tierarten oder den Menschen hingegen ist schon allein aufgrund der häufig unterschiedlichen Reaktion auf ein und dieselbe Substanz nicht seriös und wenig aussagekräftig.

Ein Beispiel für Alternativen zu Tierversuchen sind die so genannten Biochips, die z. Zt. einen regelrechten Boom unter modernen Forschenden erfahren. Man kann sich diese wie einen Minimenschen auf kleinster Fläche vorstellen. Menschliche Zellen aus verschiedenen Organen werden in kleinen Kompartimenten angesiedelt und wie im echten Kreislauf miteinander verbunden. Mit solchen Systemen lassen sich eine Vielzahl von Stoffwechselfunktionen des menschlichen Körpers abbilden und patientenspezifisch Therapien finden, was im Tierversuch naturgemäß nicht möglich ist.

Modernste Techniken erlauben die Schaffung eines künstlichen Körpers, der das menschliche Stoffwechselsystem lebensecht nachstellt. Auf einem nur wenige Zentimeter großen Mikrochip werden Kammern angebracht, die mit lebenden Zellen ausgekleidet sind und so die Organe in Miniformat bilden. Über kleine Schläuche wird das System mit Nährflüssigkeit durchströmt. Die Zugabe von potentiellen Medikamenten oder Chemikalien erlaubt Rückschlüsse über die Vorgänge im menschlichen Körper, beispielsweise ob giftige Abbauprodukte entstehen oder schädliche Nebenwirkungen zu erwarten sind. Auch Krankheiten und mögliche Therapiemöglichkeiten lassen sich so erforschen, indem beispielsweise die Miniorgane mit Krebszellen besiedelt werden. Die Zellen stammen aus medizinisch notwendigen Operationen bei Menschen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Chips mit einzelnen Organen, die unter anderem die gezielte Untersuchung der Wirkung einer Substanz auf die Haut erlauben, sowie Multi-Organ-Systeme, die eine Reihe von Organen wie in einem lebenden System vereinen und Aufschluss über das Zusammenspiel der Organe und Abbauprodukte bei der Verstoffwechselung geben.

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme
Text des Beschlusses:

Tierversuchsfreie Medizin soll gefördert werden, Alternativen zu Tierversuchen sollen verstärkte finanzielle und ideelle Unterstützung und Förderung erhalten, es soll deutlich mehr Förderpreise für tierversuchsfreie Medizin geben.

Beschluss-PDF:
Stellungnahme(n):
  Erledigungsvermerk: Auf dem ordentlichen Bundesparteitag 2017 überwiesen an die SPD Bundestagsfraktion.